Wenn du nicht übst im Training mit Fehlern umzugehen, wie kannst du von dir verlangen das es im Wettkampf funktioniert?
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01. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit
Beende dein Training auch mal mit einem Fehler.
Klingt erstmal falsch, oder?
Wir sind es gewohnt, ein Training mit einem guten Gefühl zu beenden.
Der letzte Wurf geht daneben?
→ Noch einmal.
Der letzte Aufschlag landet im Netz?
→ Einer geht noch.
Der letzte Abschluss wird vergeben?
→ Komm, noch einen Guten hinterher.
Und genau hier kann eine wertvolle Lernchance verloren gehen.
Denn im Wettkampf bekommst du diese Wiederholung oft nicht.
Der Ball ist weg.
Der Punkt ist verloren.
Der Versuch ist vorbei.
Und dann?
Wer im Training immer sofort die Chance bekommt, einen misslungenen Versuch zu „korrigieren“, lernt vor allem eines:
Ich brauche noch einen Versuch, damit es sich wieder gut anfühlt.
Aber Sport funktioniert nicht so.
Deshalb gebe ich jungen Sportlern gerne folgende Aufgabe:
Am Ende des Trainings gibt es einen letzten Versuch.
Und vorher ist klar:
Egal, was passiert – danach ist Schluss.
Gelingt der Versuch: schön.
Gelingt er nicht: noch besser für die Lerngelegenheit.
Denn jetzt muss der Sportler mit diesem Gefühl umgehen.
Nicht sofort korrigieren.
Nicht schnell einen Erfolg hinterherschieben.
Nicht den Fehler „wegmachen“.
Stattdessen darf das Gehirn weiterarbeiten:
Was ist passiert?
Was würde ich beim nächsten Mal verändern?
Wie gehe ich damit um, dass es diesmal nicht geklappt hat?
Gerade ungelöste Situationen können unsere Aufmerksamkeit und weitere Verarbeitung besonders beschäftigen. Das Gehirn versucht weiter, eine Lösung für das entstandene Problem zu finden.
Und genau diese Fähigkeit brauchen wir im Wettkampf.
Nicht nur gute Versuche produzieren.
Sondern einen Fehler stehen lassen können – und trotzdem beim nächsten Mal wieder selbstbewusst antreten.
Fehlerkompetenz entsteht nicht dadurch, dass wir Fehler vermeiden.
Sondern dadurch, dass wir lernen, mit ihnen umzugehen.
Probiert es im nächsten Training aus:
Ein letzter Versuch. Keine Wiederholung.
Danke für dein Interesse, dein Steffen
Warum ich mir freiwillig
18 Kilometer, 34 Hindernisse
&
Eisbäder antue
Was meine erste XLETIX mit Vorbereitung, Freude, Schmerz –
und dem richtigen Mindset zu tun hatte.
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05. September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Meine erste XLETIX.
Und nein – ich bin kein Hindernisläufer. Mein eigentlicher Sport ist Bowling. Haha.
Trotzdem baue ich mir jedes Jahr ganz bewusst zwei bis drei größere Challenges ein. Dinge, die nichts mit meinem normalen Sport zu tun haben. Dinge, bei denen ich meine Komfortzone verlasse, meinen Körper neu kennenlerne und schaue: Was steckt eigentlich noch in mir, wenn es unangenehm wird? Nach Halbmarathon und Marathon war diese XLETIX-Strecke mein drittlängster Lauf überhaupt. Alles innerhalb von 2025 und 2026. Also war für mich klar: Einfach nur irgendwie 18 Kilometer laufen reicht nicht. Ich musste mich anders vorbereiten. Nicht nur laufen – sondern Unterbrechungen lernen. Bei meinen Trainingsrunden im Stadion habe ich deshalb immer wieder nach zwei Runden gestoppt.
Liegestütze. Sit-ups. Sprünge. Kraftübungen. Dann wieder weiterlaufen.
Mir ging es dabei nicht darum, möglichst viele Wiederholungen zu schaffen. Ich wollte meinem Körper beibringen, wie es sich anfühlt, wenn ein gleichmäßiger Laufrhythmus plötzlich unterbrochen wird. Laufen. Kraft. Wieder anlaufen. Wieder Kraft. Genau diese Wechsel wollte ich kennenlernen. Vor allem auch für meine Krafteinteilung. Denn 18 Kilometer fühlen sich ganz anders an, wenn dazwischen nicht nur Wasserstationen stehen, sondern Wände, Kletterhindernisse, Schlamm, Wasser und Übungen, die plötzlich ganz andere Muskelgruppen beanspruchen.
Am Start war ich einfach richtig gut drauf. Am Tag selbst hatte ich richtig Bock. Nicht dieses: „Hoffentlich komme ich irgendwie durch.“ Sondern eher:
Jetzt will ich wissen, wie sich das anfühlt. Ich hatte energiereiche Snacks dabei, meine passenden Gels für den Lauf und wusste, dass es unterwegs auch Bananen geben würde.
Ich fühlte mich vorbereitet. Und das macht mental unglaublich viel aus. Du stehst nicht am Start und hoffst, dass alles gut geht. Du weißt: Ich habe dafür etwas getan. Jetzt darf ich es erleben. Warum ich überhaupt teilgenommen habe. Um ganz vorne mitzulaufen? Nein. Ganz sicher nicht. Wie gesagt: Mein Sport ist Bowling ;-)
Ich war dort, weil ich Herausforderungen liebe. Weil ich wissen will, wie ich reagiere, wenn etwas lang, anstrengend und unbequem wird. Und weil ich schon immer ein kleiner Klettermax war, hatte XLETIX natürlich einen riesigen Vorteil: Ich liebte die Hindernisse. Wirklich jedes einzelne. Wände hochklettern. Unter Stacheldraht durch.
Durch eiskaltes Wasser. In Becken tauchen, in denen Eiswürfel schwimmen. Eine ungefähr 40 Meter lange Rutsche hinunter und direkt ins Wasser. Danach mit komplett nassen Schuhen wieder durch Wald und Dreck. Eigentlich völlig bescheuert. Und genau deshalb großartig.
Die Hindernisse machten den Lauf leichter – obwohl sie ihn schwerer machten. Das Verrückte war: Die Hindernisse kosteten natürlich Kraft. Sie unterbrachen den Rhythmus. Sie machten die ganze Strecke länger. Teilweise fühlte sich die Zeit an wie ein unendlich langer Kaugummi. Aber mental machten sie den Lauf für mich gleichzeitig leichter. Denn ich dachte nicht ständig: „Noch 14 Kilometer.“ „Noch 10 Kilometer.“ „Noch 7 Kilometer.“
Mein Gedanke war viel häufiger: Was kommt als Nächstes? Ich freute mich auf das nächste Hindernis. Und genau dadurch wurde aus einem langen 18-Kilometer-Lauf eine Aneinanderreihung kleiner Aufgaben. Das hat mental einen riesigen Unterschied gemacht. Wenn Freude den Schmerz überlagert. Natürlich tat irgendwann etwas weh. Die Oberschenkel brannten. Die Beine wurden schwerer. Aber ehrlich gesagt ging vieles davon in der ganzen Freude unter. Die Stimmung war stark. Die Teilnehmer waren gut drauf. An manchen Stationen musste man zusammenarbeiten. Man half sich. Man zog jemanden hoch. Man wartete kurz. Man lachte.
Es war nicht nur: Ich gegen die Strecke. Es war auch dieses gemeinsame: Wir machen hier gerade etwas ziemlich Verrücktes – und genau deshalb macht es Spaß.
Und das ist etwas, was ich im Sport immer wieder spannend finde: Schmerz verschwindet nicht einfach. Aber die Bedeutung, die wir ihm geben, verändert sich.
Wenn du etwas aus echter Freude machst, fühlt sich Anstrengung anders an. Dann kamen die letzten drei Kilometer. Und die hatten es in sich. Weicher Sand.
Fast wie am Strand. Nur dass du vorher schon 15 Kilometer und unzählige Hindernisse in den Beinen hattest. Jeder Schritt zog Kraft. Da war irgendwann nicht mehr viel mit: „Ach, wie schön hier.“ Da kam der andere Teil. Der Teil, an dem du mit dir selbst sprichst. Mein Gedanke war: Komm. Jetzt zeig, was in dir steckt. Nicht mehr lange.
Danach kannst du essen. Du kannst Energie nachfüllen. Du kannst schlafen. Du kannst machen, was du willst. Aber jetzt wird gebissen. Jetzt wird alles gegeben.
Und genau diese Momente sind für mich einer der Gründe, warum ich solche Challenges überhaupt mache. Mindset heißt nicht, dass nichts weh tut. Ein gutes Mindset bedeutet nicht: „Alles ist leicht.“ Oder: „Ich spüre keine Schmerzen.“ Ganz im Gegenteil. Du spürst sie. Du weißt, dass es anstrengend ist. Aber du entscheidest, worauf du deinen Fokus legst.
Auf die 18 Kilometer? Auf die brennenden Beine? Auf den Sand? Oder auf das nächste Hindernis? Auf die nächste Aufgabe? Auf den nächsten Schritt? Auf den Gedanken: Ich bin noch nicht fertig. Genau darin liegt für mich die Kraft von Sportmentaltraining. Nicht unangenehme Dinge wegzudenken. Sondern in dem Moment, in dem es schwer wird, den Fokus so auszurichten, dass er dich weiterbringt. Leidenschaft verändert Belastung. Was mir an diesem Tag wieder sehr bewusst geworden ist: Wenn du etwas aus echter Freude machst, verändert sich dein Erleben.
Die Hindernisse waren anstrengend. Das Eis war kalt. Der Sand war brutal. Die Beine waren müde. Und trotzdem hatte ich einen riesigen Spaß. Weil ich es wollte.
Weil ich neugierig war. Weil ich mich auf die nächste Aufgabe gefreut habe. Das ist auch im eigenen Sport unglaublich wichtig. Natürlich braucht Leistung Disziplin.
Natürlich gibt es Tage, an denen Training keinen Spaß macht.
Aber wenn unter all dem noch echte Leidenschaft steckt, trägt sie dich durch viele Situationen, in denen reine Motivation längst verschwunden ist.
Danke für dein Interesse, dein Steffen
Welche Gedanken lässt du in deinen Garten?
Warum es einen Unterschied macht, welche Gedanken du pflegst –
und welche du weiterziehen lässt.
Stell dir vor, du stehst vor deinem eigenen Garten.
Du öffnest das Tor und gehst hinein.
Dieser Garten gehört nur dir.
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02. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Du entscheidest, was dort gepflanzt wird, was du pflegst und worum du dich kümmerst. Du kannst Blumen setzen, Wege anlegen und Pflanzen wachsen lassen, die dir guttun. Aber du kannst den Garten auch einfach sich selbst überlassen. Dann passiert zunächst gar nicht viel. Hier wächst ein bisschen Unkraut. Dort kommt eine wilde Ranke dazu. Du siehst es vielleicht, denkst dir aber: „Ach, so schlimm ist es noch nicht.“ Also lässt du es stehen. Ein paar Tage später ist es etwas mehr.
Die Ranken werden dichter. Manche Pflanzen bekommen weniger Licht. Der Weg durch den Garten wird langsam enger. Und irgendwann stehst du mittendrin und merkst: Hier ist ganz schön viel gewachsen, was ich eigentlich nie haben wollte. Mit unseren Gedanken funktioniert es oft ähnlich. Du entscheidest, was du wachsen lässt. Auch in deinem Kopf tauchen jeden Tag neue Gedanken auf. Manche helfen dir. Andere verunsichern dich. Manche geben dir Energie. Andere nehmen sie dir.
Du kannst nicht verhindern, dass ein ungünstiger Gedanke auftaucht. Genauso wenig wie du verhindern kannst, dass irgendwo in deinem Garten plötzlich Unkraut wächst. Aber du kannst entscheiden, was du damit machst. Lässt du es stehen? Gibst du ihm weiter Raum? Oder kümmerst du dich darum? Ein Gedanke wie:
„Das schaffe ich nicht.“ ist zunächst nur ein kleiner Samen. Wenn du ihn immer wieder aufgreifst, darüber nachdenkst und ihn bestätigst, bekommt er Nahrung.
Dann wird vielleicht daraus: „Ich bin darin einfach nicht gut.“ Und irgendwann: „Das war schon immer so.“
Aus einem kleinen Gedanken kann mit der Zeit ein ziemlich großes Gewächs werden. Du bist der Gärtner. Das bedeutet nicht, dass du jeden negativen Gedanken sofort herausreißen musst. Ein guter Garten ist schließlich auch nicht vollkommen frei von Unkraut. Aber du solltest wissen, was in deinem Garten wächst. Schau hin. Welche Gedanken bekommen von dir gerade besonders viel Aufmerksamkeit? Welche möchtest du stärker machen? Und welche nehmen vielleicht langsam zu viel Platz ein?
Genau darin liegt deine Verantwortung. Nicht darin, jeden Gedanken kontrollieren zu können. Sondern darin, zu entscheiden, welchen du pflegst. Dein Gatekeeper am Gartentor. Stell dir nun vor, direkt am Eingang deines Gartens steht ein Gatekeeper. Vielleicht bist du sogar selbst dieser Gatekeeper. Neue Gedanken kommen ständig am Tor vorbei. „Heute wird schwierig.“ „Ich bin gut vorbereitet.“ „Hoffentlich mache ich keinen Fehler.“ „Ich konzentriere mich auf meine Aufgabe.“ Du kannst nicht verhindern, dass sie auftauchen. Aber du musst auch nicht jeden Gedanken ungeprüft hineinlassen und ihm gleich ein eigenes Beet geben.
Manchmal darfst du kurz fragen: Hilft mir dieser Gedanke gerade? Wenn ja, darf er bleiben. Wenn nicht, musst du ihn nicht weiterfüttern. Genau hier beginnt Sportmentaltraining. Gerade im Sport kann ein kleiner Gedanke schnell wachsen. Vielleicht denkst du: „Heute läuft es nicht.“ Das kann passieren. Aber was machst du jetzt daraus? Lässt du die nächste Ranke wachsen? „Ich bin heute schlecht.“ Dann vielleicht: „Unter Druck kann ich es einfach nicht.“ Oder bemerkst du früh, was gerade passiert? Dann kannst du entscheiden: „Dieser Gedanke hilft mir gerade nicht.“ Und deinen Fokus wieder auf etwas lenken, das du beeinflussen kannst.
Den nächsten Ball. Die nächste Aktion. Deine Atmung. Deine Aufgabe. Du entscheidest, was du weiter gießt. Wie sieht dein Garten gerade aus? Vielleicht gehst du gedanklich noch einmal durch deinen Garten. Was wächst dort besonders gut? Welche Gedanken möchtest du weiterhin pflegen? Wo hat sich vielleicht etwas ausgebreitet, das du gar nicht bewusst gepflanzt hast? Du musst deinen Garten nicht an einem Tag komplett verändern. Aber du kannst anfangen, wieder hinzuschauen. Denn dein mentaler Garten entsteht jeden Tag ein Stück neu.
Und du bist derjenige, der ihn pflegt.
Warum musst du vor dem Wettkampf plötzlich auf Toilette?
Was Nervosität mit deinem Darm macht –
und warum dein Körper schon vor dem Start auf Wettkampf schaltet.
Valencia, Dezember 2025
Mein erster Marathon in Valencia
42,195 Kilometer vor mir –
und plötzlich wurde die Toilette wichtiger als der Start.
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24. August 2026 · 5 Min. Lesezeit
Mein erster Marathon. 42,195 Kilometer. Schon diese Zahl fühlt sich anders an, wenn man sie nicht liest, sondern weiß: Die musst du gleich wirklich laufen.
Monatelang hatte ich mich vorbereitet. Lange Läufe. Frühes Aufstehen. Kilometer sammeln. Ernährung testen. Und jetzt stand ich in Spanien - Valencia.
Um mich herum tausende Läufer, von gesamt 35 000. Das Startfeld war in verschiedene Blöcke eingeteilt. Nach und nach füllten sich die Bereiche. Immer mehr Menschen drängten Richtung Start. Musik lief. Durchsagen kamen über die Lautsprecher. Läufer machten letzte Fotos, kontrollierten ihre Uhren oder hüpften auf der Stelle. Die Zeit bis zum Start wurde immer kürzer. Und dann meldete sich mein Bauch. Schon wieder. Ich war doch gerade auf Toilette gewesen.
Trotzdem war dieses Gefühl plötzlich da. Ziemlich eindeutig. Ich schaute zu den Toiletten. Voll. Vor fast jeder Kabine eine lange Schlange. Dann schaute ich Richtung Startbereich. Auch dort wurden es immer mehr Menschen. Mein Block füllte sich. Und plötzlich begann dieses innere Rechnen: „Wie lange dauert die Schlange?“
„Wann muss ich spätestens in meinem Startblock sein?“ „Was passiert, wenn ich jetzt nicht gehe?“ „Und was, wenn ich nach fünf oder zehn Kilometern dringend muss?“ Bei einem Marathon klingt diese letzte Frage irgendwie noch einmal anders. Denn du weißt: Vor dir liegen keine 20 Minuten Belastung. Keine Halbzeit.
Kein kurzer Satz. Vor dir liegen 42,195 Kilometer. Und während du eigentlich ruhig werden und dich auf deinen Lauf einstellen möchtest, wird dein Bauch plötzlich zum Mittelpunkt deiner Aufmerksamkeit. Ich schaute wieder zu den Toiletten. Dann zum Startblock. Dann auf die Uhr.
Die Schlange bewegte sich gefühlt viel zu langsam. Mein Startbereich dagegen wurde immer voller. Und natürlich macht genau das die Situation nicht entspannter.
„Mist. Ich muss wirklich noch mal.“ Und je mehr ich darüber nachdachte, desto stärker schien sich mein Bauch zu melden. Plötzlich dachte ich nicht mehr an meine Renneinteilung. Nicht an mein Tempo. Nicht daran, die ersten Kilometer ruhig anzugehen. Ich dachte nur noch: Hoffentlich schaffe ich es rechtzeitig auf die Toilette und zurück in meinen Block. Im Nachhinein ist genau dieser Moment spannend. Denn der Marathon hatte für meinen Körper offensichtlich schon begonnen.
Lange bevor der erste Kilometer gelaufen war. Warum passiert das überhaupt? Vor einem wichtigen Wettkampf reagiert nicht nur dein Kopf.
Dein ganzer Körper stellt sich auf die bevorstehende Situation ein. Der Puls kann steigen. Die Atmung verändert sich. Die Muskulatur wird aktiver.
Stresshormone werden ausgeschüttet. Dein Körper bereitet sich darauf vor, Leistung zu bringen. Und dein Verdauungssystem ist davon nicht ausgeschlossen.
Gehirn und Darm stehen ständig miteinander in Verbindung. Diese Verbindung wird häufig als Darm-Hirn-Achse bezeichnet. Deshalb kann Nervosität sehr körperlich werden. Der eine bekommt schwitzige Hände. Der nächste einen trockenen Mund. Ein anderer spürt sein Herz stärker. Und manche Sportler bekommen einen unruhigen Bauch oder müssen plötzlich häufiger auf Toilette. Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt. Es kann schlicht eine körperliche Reaktion auf Anspannung sein. Warum fällt das beim Marathon besonders auf? Beim Marathon kommt oft einiges zusammen. Du hast gefrühstückt. Vielleicht Kaffee getrunken.
Mehr Flüssigkeit aufgenommen. Vielleicht Gels oder zusätzliche Kohlenhydrate eingeplant. Dazu kommt die bevorstehende lange Belastung. Beim Laufen wird der Körper über viele Kilometer bewegt und beansprucht. Auch der Verdauungstrakt kann darauf empfindlich reagieren.
Beim Marathon treffen deshalb mehrere Faktoren aufeinander: Nervosität + Ernährung + Flüssigkeit + Koffein + Bewegung.
Kein Wunder also, dass gerade Läufer solche Situationen kennen. Und dann kommt noch der Kopf dazu. Bei mir war nicht nur interessant, dass sich mein Bauch meldete. Sondern was anschließend mit meiner Aufmerksamkeit passierte. Du spürst etwas. Dann kommt der erste Gedanke: „Oh nein. Nicht jetzt.“ Und schon beobachtest du deinen Körper genauer. Ist es stärker geworden? Muss ich wirklich noch einmal? Was passiert später im Rennen? Plötzlich bekommt ein einziges körperliches Signal unglaublich viel Raum. So kann ein Kreislauf entstehen: Körperliches Signal → Sorge → mehr Anspannung → noch stärkere Wahrnehmung
Das bedeutet nicht, dass Beschwerden nur „im Kopf“ entstehen. Aber unsere Gedanken und unsere Aufmerksamkeit können beeinflussen, wie groß dieses Signal für uns wird. Was kannst du daraus mitnehmen?
Heute würde ich so eine Situation nicht mehr als etwas völlig Unerwartetes betrachten. Wenn du weißt, dass dein Körper vor Wettkämpfen häufiger reagiert, dann plane damit. Nicht nur zeitlich knapp zur Startlinie kommen. Sondern bewusst einen Puffer einbauen. Teste dein Frühstück bereits im Training. Teste deine Gels.
Teste auch Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke vorher. Der Wettkampftag ist nicht der Zeitpunkt, an dem dein Körper Überraschungen kennenlernen sollte.
Und wenn du merkst, dass dein Körper nervös reagiert, versuche nicht sofort daraus eine Katastrophe zu machen. Ein schneller Puls bedeutet nicht automatisch Panik.
Schwitzige Hände bedeuten nicht, dass du schlecht vorbereitet bist. Und ein nervöser Bauch bedeutet nicht automatisch, dass dein Wettkampf schiefgeht.
Manchmal bedeutet es zunächst nur: Dein Körper weiß, dass es gleich ernst wird. Dann hilft eine andere Frage: Was kann ich jetzt beeinflussen?
Meine Vorbereitung. Meine Atmung. Meine Aufmerksamkeit. Meinen Umgang mit meinen Gedanken. Nicht jede Nervosität muss verschwinden, bevor du leistungsfähig sein kannst. Kurz zusammengefasst: Nervosität kann deine Verdauung beeinflussen. Gehirn und Darm stehen eng miteinander in Verbindung.
Beim Marathon kommen Ernährung, Flüssigkeit, Koffein und Bewegung dazu. Teste deine Wettkampfernährung bereits im Training. Plane vor dem Start bewusst Zeit für einen zusätzlichen Toilettengang ein. Bewerte körperliche Signale nicht sofort als Gefahr. Richte deine Aufmerksamkeit wieder auf das, was du beeinflussen kannst.
Wenn starke oder ungewöhnliche Beschwerden regelmäßig auftreten, solltest du sie medizinisch abklären lassen. Bei meinem ersten Marathon in Valencia habe ich jedenfalls selbst erlebt, wie früh ein Wettkampf für den Körper beginnen kann. Der Startschuss war noch nicht gefallen.
Mein Körper war längst im Rennen.
Umgang mit Ablenkung im Wettkampf
Was passiert mit deiner Aufmerksamkeit, wenn Lärm, Gegner, Gedanken und Ergebnis
plötzlich wichtiger werden als der nächste Moment?
Beispiel · Tischtennis
Matchball gegen dich – wo ist deine Aufmerksamkeit?
10:9 für deinen Gegner.
Ein Punkt noch – dann könnte das Spiel vorbei sein.
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20. August 2026 · 5 Min. Lesezeit
Du bist zwölf Jahre alt und stehst an der Tischtennisplatte. Wer diesen Satz gewinnt, zieht in die nächste Runde ein. Um dich herum ist es laut. Auf der Tribüne wird geredet. Jemand ruft deinen Namen. Am Nebentisch wird ein Punkt laut gefeiert. Schuhe quietschen über den Hallenboden. Bälle springen. Schläger knallen auf Tischtennisplatten. Eigentlich kennst du diese Geräusche. Du hast sie das ganze Spiel über gehört. Aber plötzlich wirken sie lauter. Viel lauter. Der letzte Ball war ein Netzroller. Dein Gegner trifft die Netzkante, der Ball verändert seine Richtung und fällt gerade noch auf deine Seite. Keine Chance. Punkt für ihn. Du ärgerst dich. „Ausgerechnet jetzt.“ Dein Gegner dreht sich weg, schaut noch einmal zu dir und sagt:
„Den musst du jetzt erstmal machen.“ Vielleicht meint er es gar nicht besonders böse. Aber der Satz bleibt hängen. Du gehst zurück in deine Position. Noch einmal wandert dein Blick zur Anzeigetafel. 10:9. Deine Hand hält den Schläger etwas fester als vorher. Du spürst deinen Puls. Und dann geht es los. Nicht der Ballwechsel. Deine Gedanken. „Den Punkt MUSS ich jetzt machen.“ „Bloß keinen Fehler.“ „Spiel lieber sicher.“ „Nicht ins Netz.“ „Was, wenn ich jetzt verliere?“ Du schaust kurz auf die Tribüne. Dein Trainer sitzt dort. Vielleicht deine Eltern. Deine Mannschaft. Jemand hebt die Hand. Vielleicht will er dir noch einen Tipp geben. Ein anderer schaut dich einfach nur an. Erwartungsvoll. Du schaust wieder zum Gegner. Dann zur Anzeigetafel. Dann zurück ins Publikum. Und obwohl du körperlich immer noch an derselben Tischtennisplatte stehst, ist deine Aufmerksamkeit plötzlich überall. Beim Ergebnis.
Beim Gegner. Beim Publikum. Beim möglichen Ausscheiden. Beim letzten Netzroller. Bei der Frage, was passieren könnte, wenn du diesen Punkt verlierst. Nur an einem Ort bist du immer weniger: beim nächsten Ball. Dabei hast du vorher schon neun Punkte gemacht. Denk einmal an diese Punkte zurück. Wo war deine Aufmerksamkeit da? Wahrscheinlich nicht bei der Frage, ob du in die nächste Runde kommst. Nicht bei den Menschen auf der Tribüne. Nicht bei dem Gedanken: „Diesen Punkt darf ich auf keinen Fall verlieren.“ Vielleicht hast du einfach den Ball gesehen. Die Bewegung deines Gegners wahrgenommen. Dich auf deinen Aufschlag vorbereitet. Den Ballabsprung beobachtet. Reagiert. Gespielt. Was hilft dir jetzt wirklich? Hilft dir der Gedanke „Ich muss diesen Punkt machen“ dabei, tatsächlich einen guten Punkt zu spielen? Oder erzeugt er nur noch mehr Druck? Denn du kannst nicht 10:10 spielen.
Du kannst das Ergebnis nicht direkt kontrollieren. Du kannst nicht kontrollieren, ob dein Gegner einen außergewöhnlich guten Ball spielt. Du kannst nicht kontrollieren, was jemand auf der Tribüne denkt. Und du kannst den Netzroller von gerade eben nicht rückgängig machen. Aber vor dir passiert etwas, das du beeinflussen kannst. Der nächste Aufschlag. Deine Position. Der Ball. Die Bewegung deines Gegners. Deine Entscheidung. Deine Aktion. Vielleicht besteht deine Aufgabe in diesem Moment also gar nicht darin, das Spiel zu gewinnen. Vielleicht ist deine Aufgabe viel kleiner. Und genau deshalb viel hilfreicher. Den nächsten Ball gut spielen. Nicht den Satz. Nicht das Match. Nicht die nächste Runde. Diesen Ball. Jetzt. Du richtest deinen Blick wieder nach vorne. Die Halle ist noch immer laut. Der Spielstand steht noch immer bei 10:9. Dein Gegner ist noch immer derselbe. Der Druck ist nicht plötzlich verschwunden. Aber etwas anderes hat sich verändert: deine Aufmerksamkeit.
Du schaust auf den Ball. Stellst deine Füße hin. Nimmst deine Position ein. Und aus all den Gedanken über Sieg, Niederlage und Erwartungen wird wieder das, worum es eigentlich geht: Tischtennis. Und jetzt stell dir selbst die Frage: Wo wäre deine Aufmerksamkeit in diesem Moment? Auf der Ergebnistafel? Beim Publikum? Bei deinem Gegner? Bei dem Gedanken, keinen Fehler machen zu dürfen? Oder bei dem, was du jetzt tatsächlich beeinflussen kannst? Denn unter Druck verschwindet dein Können nicht einfach. Manchmal liegt das Problem woanders: Deine Aufmerksamkeit ist nicht mehr dort, wo dein Können sie braucht.